97 Liter Epoxidharz in einem einzigen Guss

Claudia Schmitt • 28. Juli 2026

97 Liter Epoxidharz in einem einzigen Guss Ein Esstisch in dieser Größe ist kein gewöhnliches Möbelstück.


Mit Maßen von 3000 x 1000 x 55 mm, massiver Buche und einem gegossenen Epoxidharz River war von Anfang an klar, dass dieses Projekt nicht nur optisch, sondern auch handwerklich eine besondere Herausforderung wird.


Dieses Projekt war etwas ganz Besonderes. Das Buchenholz wurde nicht von uns ausgewählt, sondern vom Kunden selbst mitgebracht. Hinter den Bohlen steckt eine Familiengeschichte: Die Urgroßeltern hatten die Buche einst gepflanzt. Über viele Jahrzehnte wuchs sie heran, bis sie schließlich aus Sicherheitsgründen gefällt werden musste.


Anstatt den Baum einfach zu Brennholz zu verarbeiten, entstand die Idee, aus diesem besonderen Holz ein Möbelstück zu schaffen, das die Erinnerung an den Baum und die Familiengeschichte bewahrt. Gemeinsam mit dem Kunden entwickelten wir einen Esstisch, der dieses einzigartige Holz dauerhaft in Szene setzt und es auch für kommende Generationen erlebbar macht.

Mit Harz gefüllte Holztischplatte mit schwarzem Flussmuster, die in einer Werkstatt auf Karton ruht

Die Planung: Der Tisch entsteht zuerst im Kopf

Bevor die eigentliche Bearbeitung begann, wurde zunächst per CAD-Zeichnung geplant, wie die Bohle aufgetrennt und später wieder zusammengesetzt werden soll. Gerade bei einem Einzelstück dieser Art ist eine saubere Vorbereitung entscheidend. Denn wenn Maße, Aufteilung und Verlauf des Rivers nicht früh durchdacht werden, lassen sich Fehler später nur schwer korrigieren.


Schon in dieser Phase wurde außerdem berechnet, wie viel Epoxidharz überhaupt benötigt wird. Am Ende lag die Menge bei rund 97 Litern. Allein daran wird deutlich, in welcher Dimension sich dieses Projekt bewegt hat.

Dunkler Gitterhintergrund mit einem weißen, gebogenen Streifen und einer gelben geometrischen Form in der Mitte

Das Material: massiv, schwer und alles andere als perfekt

Verarbeitet wurde Buche, ein hartes und schweres Holz, das sich sehr gut für massive Tische eignet. Gleichzeitig bringt es aber auch ordentlich Gewicht mit. Dazu kamen natürliche Risse, Löcher und Unebenheiten in der Bohle, die vor dem Gießen berücksichtigt werden mussten.



Der erste Bearbeitungsschritt: planfräsen auf der CNC

Damit überhaupt eine saubere Basis für die weitere Verarbeitung entsteht, wurde die Holzbohle zunächst auf unsere CNC gelegt und von beiden Seiten plan gefräst. Nur so konnte eine ebene Oberfläche geschaffen werden, die für das spätere Zusammenlegen und Gießen notwendig war.

Eine große Holzplatte wird von einer CNC-Maschine mit Staubabsaugung zugeschnitten.

Die Form: ohne saubere Vorbereitung funktioniert kein Guss

Nach dem Fräsen wurde eine passende Form beziehungsweise Schablone gebaut, in die die Bohlen eingelegt werden konnten. Dort zeigte sich schnell, dass nicht nur die Optik, sondern auch die Kräfte, die beim Gießen entstehen, berücksichtigt werden müssen.


Denn obwohl das Holz bereits ein enormes Eigengewicht hatte, reichte das allein nicht aus. Das Harz konnte die Bohlen trotzdem anheben beziehungsweise unterlaufen. Deshalb mussten sie in der Form zusätzlich fixiert und festgespannt werden, damit während des Gusses alles in Position bleibt.



97 Liter in einem Guss
Für dieses Projekt wurde ein spezielles Epoxidharz verwendet, das sich in großer Schichtstärke verarbeiten lässt. Das war besonders wichtig, weil der River in einem einzigen Guss ausgeführt werden sollte. Bei eingefärbtem Harz wäre eine sichtbare Schichtbildung später eventuell aufgefallen.


Offene Stellen wurden  zunächst mit Harz eingepinselt und versiegelt. Das war wichtig, um spätere Luftblasen im Guss zu vermeiden. Solche Vorarbeiten wirken auf den ersten Blick unscheinbar, sind aber entscheidend für ein sauberes Endergebnis.


Der Gießprozess selbst war entsprechend aufwendig. Das Harz wurde in mehreren Chargen angemischt, umgefüllt, eingefärbt und anschließend aufgegossen. Allein dieser Arbeitsschritt hat viel Zeit in Anspruch genommen und verlangte konzentriertes Arbeiten, weil bei solchen Mengen jeder Fehler sofort Gewicht bekommt.


Zwei Wochen Aushärtung

Nach dem Guss hieß es zunächst: warten.

Da das Harz in dieser Stärke verarbeitet wurde, betrug die Aushärtezeit rund zwei Wochen.


Gerade bei massiven Gießungen ist die Temperatur ein sensibles Thema. Das Material entwickelt Wärme, und wenn dabei etwas aus dem Gleichgewicht gerät, kann es kritisch werden. Umso wichtiger war es, den Prozess aufmerksam zu begleiten und rechtzeitig zu reagieren, wenn nötig.



Zurück auf die Maschine: Präzision bis ins Zehntel

Nach dem Aushärten wurde die Tischplatte erneut auf die CNC gelegt und weiter bearbeitet. Auch dieser Schritt war wegen Größe und Gewicht des Werkstücks aufwendig. Es musste sehr kontrolliert und in kleinen Schritten gearbeitet werden.


Gefräst wurde zunächst in 0,5 mm Schritten, im Finishbereich später sogar nur noch im Zehntelbereich, um eine wirklich saubere Oberfläche zu erhalten. Dabei zeigte sich auch, wie stark das Material die Werkzeuge beansprucht. Das ausgehärtete Harz war so hart, dass die Fräser beziehungsweise die Messer deutlich gelitten haben.

Der Feinschliff: Schleifen, Füllern, Lackieren

Nach der maschinellen Bearbeitung begann die Nacharbeit von Hand. Holz und Harz wurden auf beiden Seiten vollständig geschliffen, von grober bis zu feiner Körnung. Ziel war eine gleichmäßige, saubere Oberfläche ohne Kratzer oder Bearbeitungsspuren.


Anschließend wurde die Tischplatte gefüllert, damit die Fläche wirklich ruhig und glatt wird. Danach folgte die Lackierung in stumpfmatt. Dieses Finish unterstreicht die Materialwirkung sehr schön.


Ein Tisch mit echtem Gewicht

Bei einem Projekt wie diesem wird auch das Gesamtgewicht schnell zum Thema. Allein die rund 97 Liter Epoxidharz bringen bereits über 100 kg auf die Waage. Dazu kommt das massive Buchenholz. Insgesamt bewegt sich die Tischplatte (ohne Gestell) damit grob in einem Bereich von deutlich über 200 kg.


Das erklärt auch, warum nahezu jeder Arbeitsschritt von der ersten Bearbeitung bis zur finalen Oberfläche nicht nur Präzision, sondern auch gutes Handling und starke Muskeln verlangt hat.



Das Ergebnis

Entstanden ist ein massiver Esstisch, der durch seine Größe, seine Materialwirkung und den markanten River einen echten Blickfang darstellt. Das passende Metallgestell wird separat gefertigt und exakt auf das Endmaß abgestimmt, damit am Schluss alles sauber zusammenpasst.

Lange Holzplatte auf blauen Sägeböcken in einer Werkstatt, mit einer dunklen, mit Epoxidharz gefüllten Mittelrille.

Ein schönes Detail zum Abschluss: Aus einem kleinen Probestück des Rivers wurden zusätzlich passende Untersetzer gefertigt, abgestimmt auf die Optik des Tisches.

Eine diagonal auf einer weißen Tischplatte liegende Leiter aus Holzlatten mit Metallsprossen.

Fazit

Solche Projekte zeigen, wie viel mehr hinter einem maßgefertigten Tisch steckt als nur Holz und Harz. Von der ersten Planung über das Planfräsen, den Guss und die Aushärtung bis hin zum finalen Finish war jeder Schritt entscheidend.


Gerade bei einem Werkstück in dieser Größe kommt es auf Erfahrung, saubere Vorbereitung und präzises Arbeiten an. Und genau das macht am Ende den Unterschied zwischen einem schönen Tisch und einem wirklich besonderen Einzelstück.